#13 100 Tage im Amt: Bürgermeister Alexander Tschense zu Gast

Shownotes

Vom Informatiker zum Stadtoberhaupt: Wie gelingt der Wechsel von Bits und Bytes in die Verwaltung einer 70.000-Einwohner-Stadt? Alexander Tschense spricht offen über die Herausforderungen der Bürokratie, sein Credo „Vom 'Nein, weil' zum 'Ja, wenn'“ und warum gesunder Menschenverstand manchmal an Paragrafen scheitert.

Die Themen im Überblick: • Bürgernah & lösungsorientiert: Warum Kommunikation der Schlüssel ist (und was ein kleiner Junge und ein stachliger Baum damit zu tun haben). • Großprojekte im Fokus: Der aktuelle Stand beim Bau des neuen Stadthauses und die Zukunftspläne für das geschichtsträchtige Unionsgelände. • Haushaltslage & Kultur: Warum Lippstadt trotz eines strukturellen Defizits nicht den Rotstift bei Kultur, Altstadtfest und Theater ansetzen wird.

Ein spannendes Gespräch über große Pläne, finanzielle Limits und die Frage, warum Lippstadt ruhig wieder ein bisschen stolzer auf sich sein darf.

Ihr habt Ideen und Anregungen, dann schreibt uns unter: info@lippstadt-im-gespraech.de

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Transkript anzeigen

00:00:00:

00:00:06: Libstadt im Gespräch, der Podcast.

00:00:09: Hier gibt's Stimmen aus der Stadt, Themen aus Libstadt und Umland.

00:00:14: Interessante Leute und manchmal auch einfach nur Unterhaltung.

00:00:19: Ausgabe heute?

00:00:21: Der Neue ist zu Gast im Libstetter-Studio von Radio Lippeland.

00:00:26: Und hier gibt es ja auch diese kleine Podcastreihe.

00:00:29: Libstadt dem Gespräch den neue Offenbürgermeisterstuhl Alexander Tschänse bei uns zu Gast.

00:00:34: Moin!

00:00:35: Grüß dich.

00:00:36: Hallo!

00:00:37: Ja,

00:00:38: hundert Tage im Amt sind um und wir wollen mal gucken.

00:00:40: Das war locker schon.

00:00:41: Sind die schon um?

00:00:42: Und wir wollen erst einmal mit einem kleinen Steckbrief anfangen.

00:00:45: ich weiß du bist Lippstädter also Name Alter Eckdaten.

00:00:50: Name alter Eckdarten.

00:00:52: Alexander Tschänse, fünftig Jahre alt seit fünfzig Jahren in Lippstadt also hier geboren verheiratet.

00:00:58: drei Kinder die fast alle erwachsen sind zwei aus dem Haus einer geht noch zur Schule hier in Lipstadt von Haus aus Informatiker und seit gut einem halben Jahr Bürgermeister.

00:01:10: Tatsächlich, also da bist du ein Ureinwohner von Libstadt kann man sagen hier groß geworden.

00:01:14: Ich glaube als Ureingwohner muss man mindestens drei Generationen in Libstadt gewohnt.

00:01:18: Das schaffe ich auch nicht.

00:01:19: meine Eltern sind jetzt so gezogen tatsächlich okay wir wollen mal schauen.

00:01:23: also Du warst Informatika hast du gesagt das ist ja dann doch.

00:01:26: oder ist Ähnlichkeiten was an diesem Beruf?

00:01:31: Jetzt hast du dieses Amt.

00:01:32: Bürgermeister ist ja schon was, in der Stadt von Immerhinen.

00:01:37: Was ist denn da anders als im Berufsleben vorher?

00:01:42: Also alles würde ich sagen ist anders.

00:01:47: Zunächst einmal bin ich natürlich jetzt Chef einer Verwaltung von fast tausend Mitarbeitenden mit einer Bandbreite vom Baubetriebshof über Recht, über Soziales, Schulen, also ganz viele unterschiedliche Dinge mit denen ich mich natürlich in der Intensität in meinem Leben vorher nicht auseinander gesetzt habe.

00:02:05: Thema Bauern zum Beispiel und auf der anderen Seite gibt es doch ganz viele Dinge die eigentlich ähnlich sind weil am Ende sind das Projekte die man umsetzen muss Es sind Menschen die man zusammen bringen muss damit sie gemeinsam Dinge voranbringen.

00:02:21: ist sich mein vorheriger Job als Abteilungsleiter im Bereich der IT dann doch sehr ähnlich mit dem, was ich heute mache.

00:02:28: Vor den Strukturen ist es halt ein bisschen größer alles.

00:02:31: Du hattest auch vorher ehrenamtlich was woanders noch aktiv das heißt du kennst den sozialen Aspekt Kirche stichwort kennsteher ne?

00:02:38: Genau, ich bin ja viele Jahre ehrenamtlicher Mitarbeiter der Evangelischen Kirchengemeinde gewesen.

00:02:43: Ich habe dort sieben Jahre den Vorsitz gehabt des Presbyteriums.

00:02:46: Ich sage mal das ist der kirchliche Bürgermeister gewesen und auch ein bisschen vielleicht Schule für das was ich heute bin Und durfte da natürlich auch Prozesse begleiten insbesondere auch Reformprozesse begleiten die mich auch gelehrt haben dass nicht immer nur alles Sonnenschein ist.

00:03:01: Ja und wenn das Wort Reform fällt dann weiß man für irgend einen wird es ungemütlich

00:03:06: Ja, aber Reform ist ja nötig.

00:03:08: Weil Stillstand ist nicht gut für keinen von uns und Reform heißt erst mal dass sich die Dinge bewegen und irgendwie muss es vorangehen.

00:03:17: Veränderungen gibt es?

00:03:18: Und wenn sie von außen kommen?

00:03:20: Zahlreiche!

00:03:21: Also wenn ich jetzt auf die Kirche gucke dann sind das natürlich die Zahlen von Mitgliedern, von Fahrern, vom Geld was rückläufig.

00:03:29: Wenn ich auf meine Kommune gucke und auf meine Verwaltung gucke, dann spielt das Thema Geld natürlich auch eine große Rolle.

00:03:35: Das wird uns in den nächsten Jahren nicht als Lippstädter Kommune alleine extrem beschäftigen.

00:03:40: Und da werden wir sehen wie kann es weitergehen?

00:03:43: Was können wir uns in Zukunft leisten?

00:03:45: Welche Chancen haben wir?

00:03:47: Wir gucken später noch auf diese etwas schwierigeren Sachen.

00:03:51: was ist überhaupt machbar.

00:03:53: Vielleicht schauen wir erst mal was ist in dem Amt jetzt so als Bürgermeister hierin Lebstadt, was sind die Momente wo du sagst positiv da zieh ich was raus.

00:04:02: Das ist vielleicht sogar so etwas wie Erfüllung.

00:04:04: das ist toll dass macht auch Freude.

00:04:08: Also zunächst einmal habe ich das Gefühl angekommen zu sein Sowohl in diesem Amt als auch bei mir.

00:04:14: Ich hab immer zwei Herzen in meiner Brust gehabt.

00:04:15: das eine war der Informatiker und der Mensch der auch Mitarbeiter entwickeln wollte Und das andere war immer das soziale Herz des Gemeinwohl.

00:04:25: Zunächst einmal ist in diesem Amt des Bürgermeisters beides jetzt zusammen und es fühlt sich für mich erst mal gut an.

00:04:30: Ich habe das Gefühl, dass ich auch in dieser Verwaltung angekommen bin.

00:04:33: Ich bin total herzlich aufgenommen worden.

00:04:36: Treffe dort auf ganz viele motivierte Leute die wirklich Lust haben für unsere Stadt Dinge zu machen Das ist die Kehrseite, darunter leiden wie viel Bürokratie es in Deutschland gibt für die wir in Libstadt meistens gar nichts können.

00:04:50: Ja das ist die Sache mit den Regeln die dann da auch noch sind was tatsächlich

00:04:54: machbar ist.

00:04:55: Die Regeln sind erst mal etwas Gutes und sorgen für Verlässlichkeit und für Vergleichbarkeit.

00:05:00: das ist erstmal wichtig und gut Aber es gibt einfach unheimlich viel Reglement, was auch mit normalem Menschenverstand nicht zu greifen ist.

00:05:08: Also um Beispiel zu nennen letzte Woche sprach mich jemand an ob ich eine bestimmte Straße in Libstadt Tempo-Treißig sein könnte wo ich sagen ja könnte sie das erschließt sich mir auch sofort ist aber in der Straßenverkehrsordnung nicht vorgesehen.

00:05:21: so also da treffen eben auch Regeln auf Menschen verstanden und das passt nicht ganz immer zusammen.

00:05:26: Es ist ja so dass hinter den Regeln stecken ja dann erstmal Strukturen, da wird ja eine Struktur hergestellt.

00:05:32: Das ist ein bisschen wie in einer IT würde ich mal sagen.

00:05:35: Am anderen Ende sind draußen im echten Leben aber Menschen unterwegs die haben Gefühle und das ist ja nicht an jeder Stelle für alle dasselbe.

00:05:42: also im Grunde passen an die Gefühlen der Leute nicht immer zu dem was da gerade im Regelwerk steht.

00:05:47: Da wird ja immer so sein.

00:05:48: Das ist so und da hilft nur erklären, erklären, erklären.

00:05:51: Und mit den Menschen reden rausgehen das habe ich ja während meines Wahlkampfes viel versucht zu tun indem ich auch auf Spielplätze gegangen bin und Menschen dort angesprochen habe und ihnen versucht habe zu erklären dass manche Dinge auch so sind wie sie sind oder wie sie eben sich entwickeln.

00:06:09: Das möchte ich auf jeden Fall weiter fortsetzen, deswegen bin ich auch heute hier.

00:06:14: Weil ich glaube das nur Kommunikation dazu führt dass wir einander verstehen können.

00:06:20: Hast du auch schon mal erlebt dass sich Sichtweisen geändert haben wenn du da etwas erklärt hast?

00:06:28: Geändert weiß ich nicht.

00:06:29: aber mir ist ein sehr konkretes Beispiel in Erinnerung geblieben.

00:06:34: Ich war im Wohnpark Süd auf dem Spielplatz und einen kleiner Junge kamen zu mir.

00:06:39: die Geschichte erzähle ich tatsächlich öfter.

00:06:41: Er sagte, ob ich den Baum nicht fällen könnte.

00:06:44: Weil?

00:06:45: Da habe ich ihn auch gefragt, warum soll er in dem Baum fallen?

00:06:47: und dann erklärte er eben ja da wachsen Früchte dran diesen Stachlicht.

00:06:50: das ist direkt neben dem Wasserspielplatz und wenn ich am Barfuß bin, dann trete ich mit diese Stacheln in ihm.

00:06:53: Okay, da hatte er sein Problem her!

00:06:55: So...und das isst.

00:06:59: Das zeigt, dass wenn man mal die ganze große Politik weglässt und sagt lass uns über Konkretes reden.

00:07:05: Lass uns über Livestadt reden dann kommen eben genau solche Beispiele wo Menschen wirklich sagen das ist eigentlich das was mich wirklich in meinem täglichen Leben tangiert.

00:07:16: Im Falle des kleinen Jungen konnten wir jetzt inzwischen helfen, der Baum ist weg.

00:07:19: Es ist ein neuer Baum gepflanzt natürlich, der keine stachligen Früchte hat und hoffentlich können die Kinder jetzt ordentlich spielen.

00:07:26: Also es geht darum dass man konkret vor Ort tatsächlich was machen kann, dass man tatsächlich etwas bewegen kann?

00:07:33: Und das ist nicht immer so einfach im Falle dieses Baumes.

00:07:37: Da sind wir wieder beim Thema Regeln und beim Thema Begrenzung, aber das muss der Anspruch sein.

00:07:41: Ich habe bei mir nach Verwaltung am ersten Tag einen Satz geprägt.

00:07:45: Wir müssen von einem Nein-Weil zu einem Ja-Wenn kommen.

00:07:50: Erst mal Fragen und Aufgaben nicht zu verneinen und zu sagen es geht nicht Weile

00:07:55: usw.,

00:07:56: sondern zu sagen ja, das ist eine gute Idee und die können wir unter bestimmten Umständen umsetzen.

00:08:01: Also Dinge ermöglichen soweit es geht!

00:08:04: Dinge ermöglichen, soweit es geht.

00:08:05: Aber doch den Schritt vorher erst mal den Gedanken zulassen, dass das möglich sein könnte.

00:08:10: Das ist ja der erste Schritt und nicht direkt abzulehnen und zu sagen, das geht nicht.

00:08:13: Haben wir schon mehr so gemacht?

00:08:15: Ja, das bliebte Sache.

00:08:17: Da kommen gar nicht weiter.

00:08:18: Wo wird's denn richtig schwierig?

00:08:20: Also wo sind diese Momente, wo man da steht und denkt, boah ne, das machen wir nicht jetzt!

00:08:26: Na ja, schwierig ist es da wo es tatsächlich um ganz konkretes Recht geht.

00:08:30: Also wenn ich jetzt beim Beispiel des Baumes bleibe dann ist es relativ einfach zu sagen okay wir ersetzen den einen Baum durch einen anderen... Der

00:08:35: stand nicht unter Sonderschutz!

00:08:37: Weil sonst wäre das nicht gegangen!

00:08:38: Der

00:08:38: stand auch nicht unter der Sondenschutz und im Zweifel verpflanzt man eben noch einen zweiten um den ökologischen Ausgleich zu schaffen.

00:08:45: Und auch Bäume fällen sollte die Ausnahme sein, ganz klar Schwierig ist es eben da, wo es wirklich um ganz konkretes Recht geht.

00:08:51: Wo es Gesetze gibt die einfach schlichtweg dagegen sprechen und wo dann die Suche nach dem Jahrwenn ungleich schwierig ist.

00:08:58: Ja das kann ja eine ganze Menge sein.

00:09:01: also die Zahl der Gesetzer insgesamt in der Politik wird ja nicht weniger stelle ich interessanterweise fest.

00:09:07: Nein die zahl der gesetze wird nicht weniger.

00:09:10: Ich glaube fast im Gegenteil und manchmal frage ich mich, wie soll das eigentlich weitergehen?

00:09:14: Manchmal glaube ich wir brauchen einen großen Wurf.

00:09:16: Den werden wir hier in Libstadt nicht machen weil das ist ja nichts was Libstädter Thema ist.

00:09:22: aber manchmal glaube ich eigentlich müssten wir mal alles resetten und uns mal fragen Ist das was wir eigentlich

00:09:27: tun

00:09:28: noch sinnhaft und richtig?

00:09:30: Da kommen wir wieder bei diesem etwas abstrakteren Thema des gesunden Menschenverstandes an und den unterschiedlichen Werten.

00:09:36: Eigentlich...

00:09:38: Das is so!

00:09:39: Und wie viel Ermessensspielraum kann ich denn lassen?

00:09:43: Weil, ich ahne immer lasse.

00:09:44: Dann kommt der nächste und sagt Willkür!

00:09:46: Wenn entschieden wird Gleichbehandlung und solche Sachen

00:09:50: Das ist ja das Schöne an Recht wenn es erst mal angewandt wird dann ist eben nicht mehr willkürlich.

00:09:55: Und du hast mit dem, was du gerade gesagt hast natürlich auch wiederum einen Punkt getroffen.

00:10:01: Wenn man mal Ermessensspielraum zu sich zu eignen macht dann wird direkt gesagt ich hätte aber auch gerne das ist so ja.

00:10:09: Ja beim Stichwort Politik wird gerne angemeckert egal was sie entscheidet und ich denke da meine ich meine

00:10:15: Leute

00:10:15: noch mehr kann nicht mach das mal kommt doch immer einer egal was ich entscheide.

00:10:19: Ja, machen wir auch.

00:10:20: Das finde ich ein guter Punkt und ich finde ein bisschen weniger Politik in der Kommune tät uns allen gut.

00:10:27: also Ich bin während des Wahlkampfes immer durch die Gegend gezogen habe gesagt eine Straße ist ja nicht rot-grün oder schwarz ist eine Straße.

00:10:34: wenn sie kaputt ist müssen wir reparieren.

00:10:37: Also ich glaube dass wir uns eigentlich im Kern bei den politischen Parteien im Rat auf viele Dinge einigen könnten

00:10:45: Wenn denn gewollt würde

00:10:47: Was hast du gesagt?

00:10:49: Ja, ich darf das auch.

00:10:51: Ich bin ja nur irgendein Medienmensch der vielleicht nur eine persönliche Sichtweise auf die Dinge hat, da muss nicht die reine Wahrheit sein.

00:10:57: Nein,

00:10:57: ich glaube schon dass es Willen gibt!

00:10:58: Das erlebe ich schon und... Und

00:11:00: je nachdem was wir haben, gibt ja Unterschiede,

00:11:01: ne?!

00:11:02: Ja, aber ich erlebe schon Willen und wenn ich mir angucke wie sich der Rat zum Teil im letzten Jahr präsentiert hat dann habe ich mich manchmal als Lippstöter geschämt Und ich finde, der neue Rat zeigt schon dass er auch Verantwortung tragen will bereit ist Verantwortung zu tragen und auch verstanden hat das Dinge vorangebracht werden müssen.

00:11:28: Das klingt so ein bisschen auch wie eine positive Erfahrung an dieser Stelle so umgangen.

00:11:33: ja also ich komme im Kern mit allen politischen Parteien im rat.

00:11:39: gut zurecht das ist nun mal auch die Aufgabe eines Bürgermeisters darf mir als ...neutrale Person in dieser Rolle ja nicht aussuchen, mit wem ich reden will und... ...mit wem mich nicht reden will.

00:11:50: Selbst wenn ich vielleicht die eine Meinung mehr teile als die andere?

00:11:53: Ja natürlich!

00:11:54: Aber das ist nun mal die Rolle, die mir die Gemeindeordnung zuspricht,... ...und dann kommt mir sicherlich zugute, dass ich parteilos bin... ...und damit erstmal keine unmittelbare Bindung habe.

00:12:02: Genau,

00:12:03: gibt's keinen Zwang, dass die eigene Leute sagen du musst jetzt aber...

00:12:06: Natürlich habt ihr eine eigene Meinung.

00:12:08: Das kann man aber auch trennen.

00:12:09: Die Bewertung, ich das schaffe zu sagen so, da sind erst einmal die Sachverhalte,... IT-Mensch durch, der dann sagen jetzt erst mal Funktionaldenken und dann gucken wie finde ich das denn?

00:12:20: Das sind sehr verschiedene Dinge.

00:12:22: Jut okay also reden wir nochmal ganz kurz über Geld.

00:12:25: So Lippstadt war ja traditionell nicht die allerärmste Kommunen.

00:12:29: im Moment geht es noch.

00:12:30: aber ja die Perspektiven nach vorne.

00:12:31: Wir wissen alle aufpassen Geld wächst nicht vom Himmel Und Die Gesamtwirtschaftliche Lage ist auch gerade nicht so richtig dolle.

00:12:40: Wie ist denn das mit den Limits?

00:12:44: Ich würde fast sagen, nicht mehr vorhanden.

00:12:47: Also Livstadt hat tatsächlich ja eine sehr lange Phase von guter wirtschaftlicher und vor allem guter steuerlicher Entwicklung hinter sich bis dahin das eben Rücklagen gebildet werden können, von dem wir jetzt auch ein Stück weit zähren.

00:12:59: die schmilzen aber jetzt schneller weg als man gucken kann.

00:13:03: Das hat allerdings weniger damit zu tun dass wir in einer wirtschaftlichen herausfordernden Situation sind Vor Ort.

00:13:11: Natürlich gibt es Unternehmen, die hier in Schwierigkeiten sind.

00:13:14: Es gibt Unternehmen, wo sie sich vielleicht strukturell neu orientieren und vielleicht auch Lipstadt irgendwann nicht mehr als den Standort der ersten Wahl betrachten.

00:13:22: Aber ich glaube im Großen und Ganzen stehen wir hier in Lipstadt auch wirtschaftlich nach wie vor guter.

00:13:27: Die Herausforderung ist eher das was wir als Kommune leisten, sprich finanzieren müssen weil uns der Gesetzgeber dazu zwingend immer mehr wird, wie wir das Geld dafür aber nicht kriegen.

00:13:38: Also

00:13:38: die Ausgabenseite im sozialen Bereich in anderen Aufgaben und alles was dazukommt?

00:13:42: Stetig

00:13:43: steigend!

00:13:44: Und deswegen reden wir momentan über ein Defizit, ich sag mal ein strukturelles Defizits von zwanzig bis dreißig Millionen bei einem Haushaltsvolumen von, ich sagen mal, zweimal siebzig plus-minus ein bisschen.

00:13:55: So fünf bis acht Prozent oder sowas?

00:13:57: Ja.

00:13:58: Und das ist eine Menge... ...und dass es eben nicht mehr wegzuatmen.

00:14:02: um mal ein Beispiel zu geben, die Kultur in Lipstadt kostet uns ungefähr acht Millionen.

00:14:08: Nun ist nicht alles was Kultur ist freiwillige Leistung.

00:14:11: aber selbst wenn wir auf Kultur in lipstadt verzichten würden, würden wir das Problem gar nicht lösen.

00:14:16: So

00:14:17: dass

00:14:17: zeigt also das was Lipstadt an freiwilligen Leistungen hat ist bei Weitem nicht so viel, dass wir dieses Loch stopfen könnten.

00:14:27: Der größte Posten sind doch alle Sozialgeschichten und Personal.

00:14:32: Das sind die beiden großen Blöcke traditionell.

00:14:34: Wie weckt sich das denn aus wenn man da jetzt überall aufpassen müssen?

00:14:37: Auf die laufenden Projekte.

00:14:38: Ich guck mal ein bisschen zum einen auf das mit dem Stadthaus.

00:14:43: Erst hat es ewig gedauert durch was ich weiter zuerst da etwas bauen wollte.

00:14:47: Jetzt entsteht da tatsächlich was.

00:14:48: Straße kommt auch, sind wir jetzt zur Zeitpunkt der Aufzeichnung dieser Podcast-Folge.

00:14:53: Ich sage es jetzt mal dabei falls das später noch gehört wird.

00:14:55: Mai im Jahr zum Jahr ist es fertig und dann läuft aber das Safe.

00:15:02: Davon gehe ich erst einmal aus.

00:15:03: also ich freue mich total darauf dass dieses Stadthaus gebaut wird.

00:15:07: Alle, die das auch kritisch betrachten, lade ich herzlich einmal bei uns im Stadthaus vorbeizukommen.

00:15:12: Den zeige ich dann wo der Mada wohnt und wo der Schimmel wächst.

00:15:16: Wir ziehen dreizehn Standorte in einen Standort zusammen Dreizehn standorte, die uns zum Teil selber ja gar nicht gehören sondern die angemietet sind.

00:15:23: Das heißt da wird auch ein bisschen Geld eingespart auf einer Seite Und es wird eine signifikant andere Arbeitsumfeld Umgebung werden Was auch wichtig ist denn Wir sind ja als Kommune auch Arbeitgeber und werben natürlich, wie jedes andere Unternehmen auch um Fachkräfte.

00:15:42: Und da gehört natürlich eine vernünftige Arbeitsumgebung dazu.

00:15:46: Und die schaffen wir dort – ich glaube auch dass das für die Bürgerinnen und Bürger ein Mehrwert werden wird wenn es dann im Eingangsbereich das Bürgerbüro gibt wo man hingeht wie heute auch schon freundlich empfangen wird, aber auch in einer freundlichen Umgebung wo man mehr Dienstleistungen am Front desk abarbeiten kann als das heute der Fall ist.

00:16:02: Ich glaube dass wird alles ein guter Schritt und ich freue mich drauf und ich glaube es ist für Lippstedt genau der richtige Schritt gewesen.

00:16:10: Was ist mit den Leuten die erst so ein bisschen kritisch gesagt haben?

00:16:13: Ah will ich doch nicht umziehen gibt ja immer welche die sagen der ich bewege jetzt mich hier überhaupt nicht mehr.

00:16:18: Gibt es die noch?

00:16:19: Veränderung sorgt ja immer für Unsicherheit, das ist so.

00:16:22: Ich bin in meinem Leben beruflich auch ein paar mal umgezogen und ich kann sagen da hatte ich nicht erstmal Lust drauf irgendwie mein neues Büro zu beziehen weil es vielleicht auch nicht so schön war wie das alte.

00:16:32: natürlich gibt sie noch Menschen die sagen ich sitze jetzt hier mit meiner Kollegin im Doppelbüro und demnächst sitze ich in der Bürostruktur mit vielleicht zehn Leuten zusammen.

00:16:40: dass das erst einmal für Unsichheit sorgt verstehe ich auch total.

00:16:43: Wir begegnen dem auf unterschiedliche Art und Weisen.

00:16:46: Wir bieten den Mitarbeitenden jetzt Führungen an durch das Haus, sodass sie sehen können wie es entsteht.

00:16:51: Wir haben auch im Rahmen des Richtfestes, was wir vor ein paar Wochen gefeiert haben, so Simulationen gemacht, wo man sieht, wie wird es denn mal auch innen drin aussehen?

00:17:01: Sodass die Mitarbeiter dann auch sehen können, dass wird mal mein Büro sein.

00:17:03: Das werden wir fortsetzen und gucken, dass wir die Kolleginnen und Kollegen auch jetzt schon an das Haus ranführen Das Gefühl entstehen darf, dass da was Schönes entsteht.

00:17:14: Kenne ich von anderer Stelle gab es auch mal einen Umzug wo im Hintergrund auch verantwortlich waren und dann ja nicht immer alle begeistert.

00:17:21: das Stichwort Fachkräfte gerade ist mir auch gerade hängen geblieben.

00:17:25: Dass es nicht so einfach ist Leute zu finden bei euch auch bei der Stadt

00:17:30: Letztlich werden wir an vielen Stellen um die gleichen Fachkräfte, die andere auch haben wollen.

00:17:34: Wir gucken auf Bauingenieure, wir gucken auf Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter.

00:17:40: Und das sind natürlich Fachkräften, die an anderen Stellen gesucht werden.

00:17:44: Da haben wir die gleichen Probleme.

00:17:46: Das ist nicht einfacher geworden?

00:17:49: Ne, mit Sicherheit nicht.

00:17:50: Auf der anderen Seite erlebe ich das eben.

00:17:52: der öffentliche Dienst mit seiner vermeintlichen Sicherheit die er bietet durchaus nochmal ein Standortfaktor ist für manche zu sagen.

00:18:00: da gehe ich hin.

00:18:02: Selbst eine Kommune in der Haushaltssicherung ist ja nicht pleite, die Leute werden ja nicht rausgeschmissen.

00:18:06: Und

00:18:06: von Haushalts-Sicherungen sind wir noch weit entfernt?

00:18:07: Das muss man eben

00:18:08: ausdrücken.

00:18:08: So, Punkt!

00:18:09: Auch mal positiv.

00:18:12: Also um ein Beispiel zu geben, wir haben jetzt auf meine Initiative hin ja eine Stabsstelle Digitalisierung ausgeschrieben also jemanden, der sich stabsmäßig um das Thema Digitalisierung der Verwaltung kümmern wird gab es zweiundfünfzig Bewerbungen drauf.

00:18:24: Also das zeigt dass es eine gewisse Attraktivität des Arbeitgeberlebstaats durchaus noch gibt.

00:18:30: Also, nicht alles nur schwarz malen.

00:18:31: Ganz wichtig!

00:18:32: Guck mal noch auf ein anderes Projekt.

00:18:34: Unionsgelände ganz große Nummer in Bewegung.

00:18:36: man liest schon auch in anderen Medien in der Presse Es wird gebaggert es werden Löcher gemacht das werden Löchern zugemacht es werden Straßen gebaut.

00:18:44: und und und Wo geht die Reise hin?

00:18:48: Voran hoffentlich

00:18:50: Dauern wir

00:18:51: jetzt wie eben... Naja wobei so lange wird's hoffentlich nicht dauern.

00:18:54: also Ein kurzer Blick in die Geschichte zeigt ja, dass es erst mal gedauert hat sich das Grundstück zu sichern.

00:19:02: Der letzte Rad hat es dann sehr teuer gekauft auch im Wissen darum, dass mit Altlasten überzogen ist und zum Beispiel für Wohnbebauung völlig ungeeignet ist, weil im Boden so viele Altlasten sind dass man da nicht drauf wohnen möchte zumindest.

00:19:15: Und das stellt uns ja jetzt gerade aktuell auch Führer der Herausforderungen im Hinblick auf den Straßenbau, wo wir einfach viel Erde abtragen müssen um die Dinge unterzubringen kann in Regenrückhaltung und sowas.

00:19:28: Ist ein Aufwand für die Gestaltung?

00:19:30: Genau.

00:19:30: Das war ja eingeplant.

00:19:32: Ja, ob das alles eingeplant war weiß ich nicht aber es ist auf jeden Fall existent.

00:19:38: Was mache ich denn mit den belasteten Böden?

00:19:40: Da haben wir ja gerade entschieden, sie bleiben zu einem Teil zumindest auf dem Gelände.

00:19:44: Weil wir sie dann nicht entsorgen müssen.

00:19:45: Sie werden adäquat verpackt so wie das im Ruhrgebiet an ganz vielen Stellen mit Abraum halten gemacht worden ist.

00:19:51: Die Frage ist, wie geht es weiter nach dem Straßenbau der in diesem Jahr noch beginnen soll und am nächsten Jahr hoffentlich abgeschlossen ist.

00:20:00: Wie geht's dann weiter?

00:20:01: Es gibt zwei große Dinge die wir im Blick nehmen müssen.

00:20:03: Das eine ist die Feuer- und Rettungswache.

00:20:09: Soll

00:20:09: da rein?

00:20:10: Genau, die wird im südlichen Teil von der neuen Straße befinden.

00:20:15: Da sind wir gerade in dem finalen Planung für den Architektenwettbewerb um das auszuschreiben.

00:20:22: und dann bleibt der nördwestliche Quadrant also diese vielen alten Hallen.

00:20:28: Und da ist noch so ein bisschen die Frage, wie orientieren wir uns da?

00:20:31: Was kann an Hallen erhalten bleiben.

00:20:33: Was wollen wir erhalten?

00:20:35: was muss leicht auch abgerissen werden weil es baufällig ist?

00:20:37: freie Gelände

00:20:38: was sind potenzielle Nutzungsmöglichkeiten?

00:20:42: Ganz oft wird ja genannt Kulturzentrum

00:20:44: Thema.

00:20:45: der will's

00:20:46: machen

00:20:47: Wer kann das machen und wer bezahlt es?

00:20:50: genau?

00:20:50: mein Wunsch für mein kurzfristiger Wunsch wäre Es gibt ganz schöne Hallen die eben tatsächlich auch momentan nicht genutzt werden.

00:20:58: Ich würde mir wünschen, wir könnten sie zumindest so ertüchtigen dass sie nutzbar sind also sprich eine Toilette dran stellen Stromversorgung sicherstellen Brandschutz sicherstelle Zuwägungen sicherstellten und Sie dann erst mal auch einer Nutzung zuführen.

00:21:14: sozusagen wenn

00:21:15: Kann man anmieten.

00:21:16: Das

00:21:16: Bürgerradium mal eine große Party feiern will, dann können Sie das anmieten oder... Gibt ja

00:21:21: genug Leute.

00:21:22: und zu Sachen die auch bezahlbar sind wo die rechtlichen Rahmenbedingungen...

00:21:25: Ja und wohl vielleicht auch der Charme von noch nicht sanierter Industriekultur auch genau das Richtige ist?

00:21:31: Es passt ja in einiges rein!

00:21:32: Und dann kann man finde ich mal gucken wie sich das entwickelt und wer sich findet und wer Lust drauf hat und ich bin ne feste Überzeugung dann kommen auch Dinge wo man sagt dass es er weiterfähre.

00:21:42: Also man kann sagen, hier sind wir jetzt beim Stichwort Kultur.

00:21:45: Dass das Unionsgelände so ein Punkt ist wo sich in Libstadt was bewegen kann?

00:21:49: Das ist technisch möglich auch juristisch möglich.

00:21:54: Ja.

00:21:54: also Kultur ist ja ein Thema was ich immer bewegt.

00:21:57: Das ist Natur von Kultur.

00:22:01: Ich glaube dass Kultur auf dem Uniongelände einen Raum haben kann also nicht nur im Sinne der schönen Künste also Konzerte Lesungen irgendwas sondern auch Die Skater-Szene ist ja auch eine Form von Kultur, die

00:22:14: schon

00:22:14: mal gefragt haben.

00:22:16: Können

00:22:16: wir nicht im Winter zumindest in irgendeiner Halle skaten?

00:22:20: Also ich glaube das hat Potenzial.

00:22:22: Wir müssen jetzt bereit sein dieses Potenzials zuzulassen.

00:22:26: Das will ich gerne tun und da müssen eben dann auch alle politischen Parteien mitziehen und sagen den Weg gehen wir

00:22:32: Ja dass es von der Idee her machbar ist das auch wirtschaftlichen Thema Werden.

00:22:36: gerade diese acht Millionen für Kultur ist ne Menge.

00:22:40: Wie geht es weiter?

00:22:41: Ich sehe jetzt ehrlich gesagt nicht, dass wir als Stadt dort ein Kulturzentrum in dieser Haushaltslage betreiben werden.

00:22:47: Das sehe ich nicht.

00:22:50: Die freistehenden Hallen so herzurichten und zu sagen, wir ermöglichen Leuten sie zu nutzen das sehe ich sehr wohl und da habe auch wirtschaftlich keinen Schmerz.

00:23:02: Und alle anderen Kulturen beteiligten wie KWL statt der Erde alles was wir so haben dann müssen wir jetzt nicht davon ausgehen In näherer Zukunft plötzlich über alle Rotstift grassiert und alles weg ist.

00:23:12: Das sehe ich nicht, also... Ich glaube KWL mit all ihren Events der zunehmenden Tourismusaufgabe und dem Stadttheater genauso wie die Kulturförderung.

00:23:25: Ich sehe nicht dass wir da den Rotstiften ansetzen weil dann entziehen uns die Lele im Sardar.

00:23:30: Da haben wir ja auch einiges vorzeigbares muss man sagen.

00:23:33: wenn ich auf das Programm vom Theater gucke habe ich mal gerne in einer Kultursendung hiermit drin Das ist ja schon was, da kommt ja schon etwas nennenswertes.

00:23:41: Ja und zunehmend auf überregional von Interesse, was für mich ein großer Wunsch wäre dass wir an dieser Stelle auch wirklich weiter mit unseren Freunden wuchern und sagen Lipschetter Stadthierata das ist ein Player zwischen Dortmund und Bielefeld dem man ernst nehmen muss.

00:23:56: Das wäre schon so einen Wunscht für die Zukunft, dass wir das weiter ausbauen.

00:24:00: Das gelingt parziell bei manchen Veranstaltungen schon ganz gut Ja, und ich glaube auch sonst wollen wir uns nicht verstecken.

00:24:07: Aber mit dem Altstadtfest, was ja jetzt tatsächlich kurz vor uns steht, mitten Lippstadt Open Air, mit einer Herbstwoche – das sind alles Dinge die Menschen in die Stadt bringen, und zwar nicht nur Menschen aus Lippstatt bringen, sondern wo Lippstad als Zentrum tatsächlich auch über regionale Bedeutung hat!

00:24:25: Und darauf dürfen wir auch mal stolz sein.

00:24:26: Wir sind ja ganz oft in der Situation, das ärgert mich manchmal als Lipschterteil, dass wir irgendwie sagen es ist alles so furchtbar.

00:24:33: Wir haben hier Leerstand und das ist so schlecht.

00:24:35: Ach,

00:24:35: das war anders viel mehr!

00:24:37: Ja, das ist woanders viel mehr.

00:24:38: und ich denke manchmal Leute lass uns doch mal auf das gucken was wirklich funktioniert, wo

00:24:41: wir

00:24:42: wirklich gut leisten und da darf Lipscht hat auch mal wieder ein bisschen stolz auf sich sein.

00:24:48: So, das is' ein feines Schusswort damit kann ich es so stehen lassen.

00:24:52: Dankeschön Wünsche ich jetzt einfach mal uns allen zusammen.

00:24:56: Vielen Dank für die Einladung, es war schön hier zu sein!

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